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Die Geschichte des Hopfens

Hopfen

oder der wie der Hopfen zu uns kam.

Es wurde uns berichtet, im Internet sei zu lesen, schon die Sumerer, Babylonier und Ägypter verwendeten Hopfen beim Brauen von Bier. Ferner, der Hopfen kam mit der Völkerwanderung nach Deutschland bzw. den damaligen Gebieten Mitteleuropas.

Nachdem allgemein angenommen wurde, die Hopfengabe bei Bier sei eine Erkenntnis des ausgehenden Mittelalters, das fiele in die Zeit zwischen 800 n.Chr. und 1100 n.Chr. haben wir uns die Mühe gemacht, erreichbare Quellen durchzuforsten um Argumente bzw. Gegenargumente zu einer Hopfengabe in früheren Zeiten abzuwägen.

Fest steht jedenfalls, daß Weihenstephan die Hopfengabe zu Bier um 800 n.Chr. angibt, andere Quellen nennen später neben anderen Zutaten den Hopfen und 1150 berichtet Freising über Besitz von Hopfengärten am Inn, an der Salzach u.a.

Wenig früher, vor 800 n.Chr. wird in einer Abrechnung landwirtschaftlicher Güter (eines Krongutes) im Zusammenhang mit der Bierherstellung das Produkt Hopfen jedoch nicht erwähnt.

Beginnen wir aber nun die Nachforschung zu den Behauptungen Bier sei schon weit vor unserer Zeitrechnung mit Hopfen verfeinert und haltbarer gemacht worden, wobei dann unterstellt wird, diese Kenntnis des Brauverfahrens sei bei späteren Völkern in Vergessenheit geraten oder bei gleichzeitigen Völkern nicht vorhanden gewesen.

Listen wir also zunächst die vorhandenen historischen Quellen zum Bier und seiner Herstellung auf. Das älteste bis heute bekannte Dokument dazu stammt aus der Zeit 5000 v.Chr. von den o. erwähnten Sumerern. Darin werden die Zutaten Honig und Zimt genannt. Ägypten berichtet um 3000 v.Chr. von den Zutaten Rettich und Wolfsbohnen. Und auch in den äußerst umfangreichen und präzisen Gesetzen Hamurabis (1728-1686 v.Chr.) werden zwar detailierte Angaben, z.B auch zur Herstellung von Emmer- und Gerstenbier gemacht, aber "von Hopfen war noch keine Rede."(Zitat : Lexikon des Bieres) und dort weiter "ein exakt buchhalterisches Volk" (Anm. die Völker Mesopotamiens bzw. Ägyptens) was besagt, hätten sie Hopfen kultiviert oder wild gesammelt und verwendet, wäre dieser auch dokumentiert worden, zumal Bier ein durchaus wichtiges Nahrungsmittel dieser Völker war.

Obige Internet Behauptung zur früheren Verwendung von Hopfen erschien im übrigen auch im Werk "Der Hopfen" von Kohlmann, Kastner, Kamm (Erschienen im Hopfen Verlag Wolnzach) ohne daß dabei eine Quelle genannt wird.

Neben historischen Argumenten interessieren uns aber auch die Möglichkeiten, ob Hopfen in diesen Ländern überhaupt erfolgreich gedeihen konnte, sei es als kultivierte Pflanze oder wild wachsend.

Bekannt ist, daß Hopfen ein kühl gemäßigtes Klima benötigt. Allerdings kann der fehlende Niederschlag mit Bewässerung wie dort vorhanden, ersetzt werden. Problematisch erscheint mehr das Schwemmland der dortigen, nutzbaren Böden, Ablagerungen der dominierenden Ströme, also Schlamm, Schlick und Sand, Bodenqualitäten die Hopfenanbau oder das Wachstum von Wildhopfen kaum ermöglichten dürften.

Allerletzt dazu sei hingewiesen, daß Hopfen zur Zeit der Blüte, d.h. im Juni, eine lange Tageslichtdauer benötigt, bei den Zonen unserer Breite folglich 16-18 Stunden. Aussage eines Pflanzenexperten " Sie können auch am Äquator Hopfen pflanzen, er wird hoch, grün, aber er wird nie blühen", folglich auch keine Dolden ausbilden. Die behandelten Länder Mesopotamien und Ägypten können diese Standortbedingungen wohl kaum erfüllen. Im übrigen: mit den heutigen Labortechnischen Möglichkeiten hätte festgestellt werden können, daß die unzählig gefundenen Grabbeigaben mit Krügen auch Spuren von Hopfen aufweisen.

Auch die zweite Internet Aussage : Hopfen sei mit der Völkerwanderung zu uns gekommen muß so nicht stimmen.
Richtig ist mit großer Wahrscheinlichkeit, daß (in der Hallertau) der Hopfenanbau von Wenden zur Zeit der Völkerwanderung eingeführt wurde. (Quelle Kohlmann, Kastner, Kamm)

Weiter dort "Urkundlich wurden die Hopfengärten im Jahre 736 bei Kloster Geisenfeld (Hallertau) erwähnt."
Ob dieser Hopfen schon als Beigabe zu Bier verwendet wurde oder nur als Gemüse, Nahrungs- oder Heilmittel, wie vormals von Völkern Zentralasiens, ist nicht verbürgt. "Kein Mensch weiß, wie und wann Hopfen nach Deutschland kam".
Hätte man früher von der Bedeutung des Hopfens (im Brauprozeß) gewusst, so würde es sicher eine Nachricht dazu geben. (Zitat "Lexikon des Bieres")

Wahrscheinlich ist, daß der Hopfen als Wildpflanze von seiner Urheimat, die wohl im nördliche Himalya liegt, sich von dort ausbreitete. Wahrscheinlich ist auch, daß zur Zeit östliche Völker ihre Wanderung nach Westen den Hopfen als Pflanze zu welchem Zweck auch immer, kannten und ihn folglich hier kultivierten. Und wahrscheinlich ist auch, daß etwa ab dieser Zeit dann der Hopfen als geeignete Brauereizugabe erkannt worden ist – durch "try and error"

Anmerkung : Hauptsache ist, dass unsere fränkischen Brauer noch den guten, feinen Aromahopfen schätzen.

Prost

Euer Claus Schmidt

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